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Ein Märchen

Ein Märchen soll allen Mut machen, die mit depressiven Grübeleien und Gedankenschleifen zu kämpfen haben und einen Weg heraus suchen...

 

Ein Märchen

 

Zu einem Weisen ging ich eines Tages und sprach zu ihm:

 

Ich denke zu viel, zu tief, zu weit.

Diese Gedankenschleifen

verwirren sich, wachsen an, sind nicht zu stoppen.

Ich verliere mich darin und finde nicht wieder heraus.

Der Virus breitet sich aus bis ins Herz,

das befallene Organ gibt überfordert auf

und schlägt nunmehr einen traurigen Takt,

unter dem sich die Augen mit Tränen füllen.

Hilflos sehe ich mit an,

wie ich immer mehr im Treibsand der Emotionen versinke.

Ich möchte Luft holen, mich befreien,

doch je mehr ich dagegen ankämpfe,

umso mehr gehe ich unter.

Wo ist das Schwert, das diesen gordischen Knoten löst?

Wer wird es führen, wenn nicht ich?

 

 

Der Weise sagte: Es gibt einen Weg.

Er erfordert Geduld, und das Gestrüpp im unwirtlichen Gelände lässt dich oft straucheln,

doch du wirst Sieger sein, wenn du nicht aufgibst.

Suche in Dir nach diesem Weg, und geh ihn zu Ende und du wirst gesunden.

 

Ungläubig starrte ich ihn an. Sollte es wirklich möglich sein, diesen Kampf zu gewinnen?

 

Ich frage weiter:

Und wie soll ich kämpfen, wenn alles mir die Kraft raubt?

Wenn ich, stets am Abgrund taumelnd,

mich immer zwischen Himmel und Erde bewege?

Der Verstand, diese Krake, mit seiner Logik

immer neue Schleifen erfindet und das Herz, dieser Schwächling-

ängstlich, verwirrt, unsicher-

nach Heilung lechzt und dabei immer wieder an denselben Stellen aufreisst?

 

Der Weise antwortete:

Die Kraft ist in Dir und Du wirst sie nicht verlieren. Mach sie Dir bewusst, stärke sie und Du wirst diesen Kampf gewinnen.

Vieles liegt noch vor Dir.

Doch dein Herz wird heilen und dein Verstand sich beruhigen

und Du wirst im Gehen Sicherheit gewinnen und lernen, in dir zu ruhen.

 

Und dann entließ mich der Weise.

 

So machte ich mich auf. Ich bin erst am Beginn meiner Reise. Das Gepäck ist schwer,

immer wieder bewege ich mich in Kreisen. Doch ich gewinne zunehmend an Orientierung und an Vertrauen in mich und meinen Weg. Die Grübeleien werden weniger. In mir ist die Furcht vor der Situation der Akzeptanz gewichen, immer öfter gelingt es mir, mich ohne Groll zu betrachten und je mehr ich gehe, desto stärker werde ich. Ich bin mir bewusst geworden, dass meine Gedankenschleifen künstliche Gebilde sind, und sich beherrschen lassen. Eines Tages wird dieser Weg zu Ende sein und es wird sein, wie der Weise es gesagt hat. Ich werde in mir ruhen und mein Herz wird geheilt sein und mein Verstand wird sich beruhigt haben.  Der Tag wird kommen und ich kann es kaum erwarten…

 

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